Vier Fragen, die in fast jeder MPU vorkommen
So unterschiedlich die Anlässe sind — Alkohol (§ 13 FeV), Cannabis und andere Drogen (§ 14 FeV), Punkte (§ 4 StVG) oder Straftaten im Zusammenhang mit dem Fahren — das psychologische Gespräch dauert meist etwa 45 bis 60 Minuten und kreist fast immer um dieselben vier Kernfragen. Die Formulierung wechselt, die Stoßrichtung bleibt gleich.
Wichtig vorweg: Die MPU prüft keine reinen Wissensfragen. Du musst keine Paragrafen, Promillegrenzen oder Definitionen herunterbeten. Geprüft wird, ob du dein früheres Verhalten verstanden hast und ob deine Veränderung nachvollziehbar und stabil ist. Genau darauf zielen die vier Fragen.
Frage 1: Warum ist es passiert?
Der Einstieg in den Kern. Der Gutachter will die Ursachen und deine Einsicht verstehen: Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Welche Rolle spielten Gewohnheiten, Stress, das Umfeld, der Konsum oder die Einstellung zu Regeln im Straßenverkehr?
Geprüft wird hier nicht eine bestimmte Antwort, sondern ob du die echten Auslöser ehrlich benennst — nicht nur die bequemen. Wer sein Verhalten kleinredet („einmaliger Ausrutscher") oder die Schuld nach außen schiebt, wirkt nicht glaubwürdig. Diese Schilderung muss außerdem zur Aktenlage passen: Promillewert, Punktestand, Laborwerte und Bescheid liegen dem Gutachter bereits vor.
Frage 2: Was haben Sie verändert?
Der Blick auf heute. Hier zählt nur Konkretes und Belegbares — keine Absichtserklärungen. Was ist in deinem Denken, deinem Alltag und deinem Umgang mit Alkohol, Substanzen oder dem Fahren tatsächlich anders als damals?
Je nach Anlass sieht „belegbar" unterschiedlich aus. Bei der Alkohol-MPU geht es oft um eine Abstinenz von 6 Monaten (bei Missbrauch) bis 12 Monaten (bei Abhängigkeit), nachgewiesen über EtG-Werte, oder um einen nachvollziehbaren kontrollierten Umgang. Bei harten Drogen werden in der Regel 12 Monate lückenlose Abstinenz erwartet (Urin- oder Haaranalyse). Bei Cannabis steht das Trennvermögen zwischen Konsum und Fahren im Vordergrund.
Frage 3: Warum passiert es nicht wieder?
Der Blick nach vorn — die Rückfallstrategie. Pauschale Versprechen wie „Das mache ich nie wieder" überzeugen nicht. Gefragt sind konkrete Strategien, die zu deinem Leben passen und die du nicht erst für das Gespräch erfunden hast.
Hier prüft der Gutachter die Stabilität deiner Veränderung: Hast du verstanden, was dich damals getragen hat, und hast du die Muster dahinter verändert? Wer sein eigenes Rückfallrisiko realistisch einschätzt, statt es wegzureden, wirkt deutlich glaubwürdiger.
Frage 4: Was tun Sie in Risikosituationen?
Die konkreteste der vier Fragen — und oft die, an der sich Worte und Wirklichkeit trennen. Der Gutachter beschreibt eine kritische Situation und fragt nach deinem konkreten Verhalten: die Feier, auf der getrunken wird; der Stress, der früher der Auslöser war; das Umfeld, das weiter konsumiert.
Geprüft wird, ob deine Strategie über eine Absichtserklärung hinausgeht. „Ich gehe da gar nicht erst hin" ist keine tragfähige Strategie für ein Leben mit Familie, Arbeit und Freunden. Überzeugend sind Antworten, die zeigen, dass du dir die Situation wirklich vorgestellt und einen gangbaren Weg gefunden hast.
Was hinter allen vier Fragen steckt
Jede der vier Fragen zielt auf dasselbe: Nachvollziehbarkeit und Stabilität, nicht auf Wissen. Der Gutachter prüft entlang vierer Maßstäbe:
- Nachvollziehbarkeit: Ist deine Geschichte in sich logisch und mit konkreten Beispielen belegt?
- Widerspruchsfreiheit zur Aktenlage: Passt das, was du sagst, zu Bescheid, Werten und Vorgeschichte?
- Konkrete Beispiele: Kannst du Veränderung an deinem realen Alltag festmachen — nicht an schönen Sätzen?
- Echte Selbstreflexion: Hast du dich wirklich mit dir auseinandergesetzt?
Wie sich die Fragen je nach Anlass verschieben
Die vier Kernfragen bleiben gleich, ihre Inhalte verschieben sich je nach Anlass. Lies die anlassbezogenen Seiten, um die Frage-Richtungen für deinen Fall im Detail durchzudenken:
- MPU-Fragen Alkohol — Konsumgeschichte, Abstinenz oder kontrollierter Umgang, Rückfallschutz.
- MPU-Fragen Cannabis — Trennvermögen und stabile Veränderung, eingeordnet nach dem KCanG (seit 01.04.2024).
- MPU-Fragen Drogen — harte Drogen: meist 12 Monate Abstinenz, Konsumgeschichte, Stabilität.
Häufige Fragen
Was sind die typischen MPU-Fragen?
Über alle Anlässe hinweg drehen sich fast alle Fragen um vier Punkte: Warum ist es passiert (Ursachen und Einsicht)? Was haben Sie seitdem konkret verändert? Warum passiert es nicht wieder (Rückfallstrategie)? Und was tun Sie in Risikosituationen? Die Frageform variiert, der Kern bleibt gleich. Es geht nicht um Wissen, sondern um Nachvollziehbarkeit und Stabilität deiner Veränderung.
Was prüfen die typischen MPU-Fragen wirklich?
Sie prüfen, ob du dein früheres Verhalten aufgearbeitet hast und ob die Veränderung tragfähig ist. Der Gutachter achtet auf Nachvollziehbarkeit, Widerspruchsfreiheit zur Aktenlage, konkrete Beispiele und echte Selbstreflexion. Geprüft wird also nicht, ob du eine bestimmte Antwort kennst, sondern ob deine Geschichte stimmig und deine Strategie realistisch ist.
Sollte ich Antworten auf die typischen Fragen auswendig lernen?
Nein. Auswendig gelernte Standardsätze fallen negativ auf, weil sie unpersönlich klingen, auf Nachfragen zusammenbrechen und oft im Widerspruch zur Aktenlage stehen. Sinnvoll ist, die eigene Geschichte entlang der vier Kernfragen zu sortieren und mit echten Beispielen zu hinterlegen, sodass du sie ruhig in eigenen Worten erzählen kannst.
Quellen & weiterführende Stellen
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) — Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung und Statistik zur Fahreignungsbegutachtung
- ADAC — Informationen zu MPU und psychologischem Gespräch
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), insb. § 11, § 13 (Alkohol), § 14 (Drogen)
- Straßenverkehrsgesetz (StVG), § 4 (Fahreignungsregister, Punkte)
- Konsumcannabisgesetz (KCanG), in Kraft seit 01.04.2024